Ina Loitzl, Installation "HinterGlas" mit "Seufzerpölster", 2004, Fotogtrafie und Mischtechnik
© Ferdinand Neumueller

Ina Loitzl, Jägerlatein, 2004, Acryl und Lack auf Holz

Ina Loitzl, Hamatgfüh'l, 2004, Videostill

Ina Loitzl, Küchenzicke und Jodelrap, 2007/2009, Textile Mischtechnik und Videostill

Ina Loitzl, Mandala I, 2007, Fotocollage aus Landhauskatalogen aus den 70er jahren, Fotoprint, gerahmt

Ina Loitzl, Wildwechsel, 2011, Videorahmen und Objektinstallation

Ina Loitzl
Heimat VI - Zuagrast

Künstlerhaus, Galerie
19. Juni bis 13. Juli 2014


Heimat mag für jede/n individuell etwas anderes bedeuten. Doch wird der Begriff als Ausdruck für etwas Gemeinschaftliches, Verbindendes verwendet, im Sinne von „Unsere Heimat“, so ist man sehr schnell beim Brauchtum angelangt, der lebendigen Kultur einer festen (meist regionalen) Gemeinschaft, die identitätsstiftend und integrierend wirkt und die das Leben dieser Gemeinschaft durch gewachsene Bräuche, Riten und Feste strukturiert. Vor allem in ländlichen Regionen werden „Brauchtum“ und „Tradition“ als stabilisierende, gemeinschaftsbildende Faktoren hochgehalten und gepflegt. 

Ina Loitzl, die seit mehr als zehn Jahren in Wien lebt, setzt sich u. a. seit 2005 in ihrem künstlerischen Werk kritisch und gegenwartsbezogen mit Tradition, Brauchtum und Folklore auseinander. Es geht ihr weniger um die Themen an sich als um das Eindringen dieser in die privaten und gesellschaftlichen, konkreten und sozialen Handlungsräume und Handlungsgepflogenheiten der Menschen. In ihren Arbeiten greift sie diverse Elemente des Kärntner Brauchtums sowie fremder Kulturen auf und verbindet sie mit zeitgemäßen Motiven und Techniken zu vorderhand humorvollen, aber tief hintergründigen Arrangements, die die Kluft zwischen Form und Inhalt offensichtlich machen. Sie verweisen auf den Bruch der Kontinuität, wenn die Bedeutung verloren geht und Bräuche zum Selbstzweck verkommen. Zugleich kann die Form durch neue Inhalte aufgeladen werden und steht zur beliebigen Disposition. Regionale Ästhetiken und spezifische handwerkliche Techniken, derer sich Ina Loitzl neben modernen, zeitgenössischen Medien lustvoll bedient, findet man in allen Kulturen. Sie sind für die Künstlerin sichtbare, konsensuelle Zeichen des Heimatstolzes, die sie durch ihre Arbeit jedoch als bloße, plakative Hülle für einen viel diffizileren Heimatbegriff darstellt.

Die Künstlerin untersucht die Ästhetik traditioneller bäuerlicher Einrichtungen – oder was dafür gehalten wird – und das dort angesiedelte gesellschaftliche Treiben. Sie kombiniert kleine quadratische Bilder von abstrahierten Stuhllehnen- und Geweihformen sowie Holzmaserungen zu modernen dekorativen Bildensembles und fügt aus Zeitschriften zur alpinen Wohnkultur ausgeschnittene Stühle und Tische in Collagen zu meditativen Mandalas zusammen.

Ina Loitzl stickt, näht, schneidet, klebt, malt und filmt – ganz im Sinne des Gegenstandes, der Volkskultur –, was das Zeug hält. Sie kombiniert in ihrer künstlerischen Arbeit Handwerk mit Kitsch und medialen Bildern, demaskiert Sein und Schein. Sie zeigt ein Bild, das vordergründig Lebensfreude vermittelt, aber zugleich verweist sie auf seine rigiden, einengenden Konventionen und Zuschreibungen. Indem die Künstlerin Aspekte des Brauchtums mit der modernen Lebensrealität konfrontiert und sie in ein globales Bezugsfeld setzt, unterscheidet sie einerseits authentisches Brauchtum von emotionsbefrachteter Heimattümelei und dechiffriert andererseits die abgründige und missbräuchliche Verfügung ihrer Inhalte.

Magdalena Felice


www.inaloitzl.net

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