Metamorphose, 1992, Öl auf Leinwand
© Künstlerhaus

Alfred Kornberger
© Christian Czaak

Halbakt im Badezimmer-Spiegel, 1996, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Sich abtrocknende Frau, 1975, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Vier Zuschauer, 1988, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Insekt auf Rosa, 1992, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Der Schrei II, 1995, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Sitzender Akt auf Grün, 1995, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Zeus-Treffen, 1984, Öl auf Leinwand

© Künstlerhaus

Alfred Kornberger
Das Spektrum des Universums

Künstlerhaus, Erdgeschoß
2. Oktober bis 1. Dezember 2013


Führungen:
Donnerstag 19 - 21 Uhr
Freitag 11 - 13 Uhr
Kosten € 3,-/Person
Anmeldung erforderlich unter T +43 1 587 96 63 46



Retrospektive anlässlich des 80. Geburtstages von
Alfred Kornberger (1933-2002) mit 130 Ölarbeiten aus den Jahren 1954 bis 2000, kuratiert von Gabriela Koschatzky-Elias. Neben seinen typischen Akten sind auch Hauptwerke aus den wichtigsten Zyklen „Zeus“, „Insekten“, „Gegenständliches“ und „Schlachthof“ sowie seine besonders eindrucksvollen gestischen Portraits und Figuren zu sehen.

„Die Frauen sind das Spektrum des Universums, ich verehre und liebe sie“, lautete eine Aussage des Wiener Malers, der im heurigen Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte. Kornberger gilt als einer großen Koloristen in der internationalen Malerei des 20. Jhdts.. Der 1933 in Wien geborene Maler (+ 2002) ist einer der vielfältigsten und bedeutendsten Expressionisten und Vertreter einer dynamisch gestischen und gegenständlichen Malerei. Das Wiener Künstlerhaus widmet ihm nun die erste große Retrospektive, welche von der internationalen Kunsthistorikerin Gabriela Koschatzky-Elias kuratiert wurde.

Grafiker und Andersen Schüler
Kornberger studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Robin Christian Andersen, arbeitet danach als Grafiker und wird freischaffender Künstler in Wien. Im Frühwerk setzt sich Kornberger mit dem Kubismus, dem Surrealismus und von Anfang an auch mit der abstrakten Kunst auseinander, um dann zu seinem eigenen Stil zu finden – einer sehr dynamisch gestischen und gegenständlichen Malerei. 

Kornbergers Arbeiten stehen schwerpunktmässig für die österreichische Tradition einer körperbetonten Kunst. Im Mittelpunkt seines Interesses steht der Mensch. Ab 1970 widmet sich Kornberger primär dem weiblichen Akt. Abseits einer vordergründigen Erotik zeigen seine Bilder einen vielfältigen Diskurs zwischen stilistischer Variation und reiner Malerei. Das Individuelle trat dabei in den Hintergrund, Gesichter bleiben unausgeführt, Köpfe werden häufig sogar ganz weggelassen. Es geht um den Körper im Verhältnis zu seiner Umgebung. Verzerrungen und Deformierungen sind in seinen Werken ein überaus expressives und für den Künstler typisches Ausdrucksmittel. Die Farbe ist ein wichtiger Aussagefaktor in seinen Bildern.

Das Urteil der Experten
„Kornbergers Kunst ist eine sinnlich vitale. Der pastose Farbauftrag, die kraftvoll farbige Palette und die expressiv-fauvistische Pinselführung machen das Lustvolle deutlich,“ beschreibt Gabriela Koschatzky-Elias den Künstler. „Nie verlässt er wirklich das Gegenständliche, bei aller Reduktion oder Übersteigerung will er doch immer ein definiertes „Objekt“ darstellen“, so die Kuratorin weiter. „Die letzten Schaffensjahre sind von einer dynamischen Expressivität gezeichnet, Kornberger ist nicht mehr die wirklichkeitsgetreue Widergabe von Eindrücken, Farben und Formen wichtig, spontan und direkt gibt er ein „durchfühltes“ und interpretiertes Motiv weiter,“ resümiert Koschatzky-Elias.

Expressive Gestik und kürzelhafte Abreviatur
„Gestalterisch erlaubt sich Kornberger in seinen Aktdarstellungen große Freiheiten, fragmentiert die Körper, fokussiert auf einzelne Körperteile oder reduziert die Körperformen auf kürzelhafte Silhouetten. Kornbergers Malerei ruft stets eine eminente Konzentration und Spannung hervor.,“ schreibt Franz Smola, Herausgeber des 2007 erschienenen Kornberger-Werkverzeichnisses, im aktuellen Katalog zur Ausstellung. „Expressive Gestik, kürzelhafte Abbreviatur, die Lust an der Verfremdung und schließlich das Bekenntnis zur Kraft der Farben sind die herausragenden Merkmale dieses Künstlers,“ so Smola weiter. „Mit seinen kühnen, nicht selten bizarr und schrill wirkenden Farbkompositionen zählt Kornberger zu den großen Koloristen seiner Generation, seine konsequente, geradezu besessene Aktmalerei reiht sich in die österreichische Tradition körperbetonter Darstellungen,“ ergänzt Smola.

Der Bursche mit der Maler-Pratz’n
Dieter Schrage (+ 2011), Kunsthistoriker und langjähriger Weggefährte von Alfred Kornberger schrieb in einer 1990 erschienenen Monografie: „Das Schaffen von Alfred Kornberger ist in das Bewahrende, betont Malerische einzuordnen. Ich sehe einen richtigen, guten (alten) Maler – und ein exzellenter Zeichner und Graphiker. Er ist einer der hinlangt. Einer, bei dem alles sitzt. Wirklich einer mit einer „Malerpratzn“. Und er hat etwas von einem Bonvivant. All das alles fließt in seine Bilder ein, in die Sinnlichkeit, die Vitalität, die Freude am Leben und Genießen, in den Optimismus.

Die Erotik des Begehrens
Wie bei kaum einem anderen seiner Zeitgenossen ist das reife Werk von Alfred Kornberger vom Motiv des Frauenkörpers dominiert. Die geradezu obsessive Beschäftigung mit dieser Thematik erinnert an den großen österreichischen Maler und Grafiker Egon Schiele. Ähnlich wie Schiele variiert auch Kornberger den weiblichen Akt aus dem Blickwinkel des männlichen Auges. Stets spielt die Erotik des Begehrens, der Blick des Voyeurs eine zentrale Rolle. Kornberger präsentiert die Frau in kühnen, ekstatischen Verrenkungen und in sinnlicher Ausgelassenheit. Ihre Persönlichkeit und Würde verlieren sie dabei jedoch nie.

Erotische Landschaften 
„Mir geht es um die Ergründung des weiblichen Körpers im Augenblick des Malens, den erotischen Moment, der sich auf den Zeichenstift überträgt, das Abbilden einer erotischen Landschaft“, erläuterte Kornberger seine Arbeit. „Der Künstler überträgt seine Idee, seine Gedanken in das Erlebnis: das heißt, das Erlebnis gibt ihm Anlaß zur Gestaltung. Und die Sichtbarmachung der projizierten Idee in das Erlebnis ist der malerische Akt. Die Bedeutung dieses Vorgangs liegt in der Kommunikation zum Empfänger. Der Maler zeigt seiner Umwelt einen subjektiven aber doch wahren Sachverhalt. Er deckt verborgene Zusammenhänge auf und gibt somit dem Motiv eine augenscheinlich neue Struktur,“ so Kornberger weiter. 

Zur Ausstellung erscheint der knapp 300 Seiten starke Katalog mit Texten von Gabriela Koschtzky-Elias und Franz Smola sowie Erläuterungen zu allen Zyklen und mit Abbildungen von über 250 Werken.

 

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