FREIES KINO
Help me ... if you can - Wenn Rassismus Mitgefühl erstickt
von Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl

Stadtkino im Künstlerhaus
2. Februar 2016, 19 Uhr


Ein filmisches Dokument von Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl - Eintritt frei

Begrüßung: Kurt Brazda

Dieser Film erzählt über das Mitgefühl und darüber wie der Verlust dieser menschlichen Eigenschaft zu Gewalt, Hass und Ungerechtigkeit führt. Die Autoren und Gestalter des Films, Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl, erlebten hautnah was geschieht, wenn Mitgefühl durch Rassismus erstickt wird. Ihren zweijährigen Widerstand gegen Rassismus, Fremdenhass und eine nationalistische Politik dokumentierten sie mit ihrer Kamera.

Angesichts der gegenwärtig kriegführenden Staaten und der Situation von Flüchtlingen in Europa, gibt der Film einen ungeschminkten Einblick in die Dimension des Helfens.

Im Dezember 2004 überlebten Voitl und Guggenberger den Tsunami in Sri Lanka. Der Tsunami zerstörte in der Nähe ihres Urlaubsortes an der Südwestküste Sri Lankas zwei Fischerdörfer. Das eine Dorf von Buddhisten bewohnt, das benachbarte Dorf seit 1200 Jahren von Muslimen besiedelt.  Angesichts des Leids der Dorfbewohner entschlossen sich die beiden Filmemacher ein Hilfsprojekt zu initiieren und durchzuführen. Das Ziel, der Wiederaufbau  beider Dörfer. Was aus dem Entschluss zu helfen resultierte, wurde in über hundert Stunden Videomaterial tagebuchartig dokumentiert.

Der Entschluss den Film zu schneiden und fertig zu stellen, fiel erst zehn Jahre nach der Katastrophe. Ein wesentlicher Grund dafür war die sich anbahnende Welle von Flüchtlingen nach Europa aus den kriegführenden Staaten des Ostens. Die Parallelen im Ablauf der Ereignisse ab 2004 und ab 2014 sind verblüffend. Das Leid der Kriegsopfer, das Leid der Tsunamiopfer, beides Auslöser von Mitgefühl und Hilfe, Wiederaufbau von Dörfern, Willkommenskultur und Integration.    

Aber die menschliche Eigenschaft Mitgefühl und die daraus resultierende Hilfe stieß in Sri Lanka und stößt heute auch in Europa auf Ablehnung und Gegnerschaft.
 
Wieder erschreckende Parallelen.
In Sri Lanka wurden das Hilfsprojekt und die Arbeit von Voitl und Guggenberger massiv behindert. Das Hilfsprojekt wurde zur Zielscheibe einer rassistisch agierenden buddhistischen Mönchspartei. Diese wollte verhindern, dass für die muslimischen Tsunamiopfer neue Häuser gebaut werden. "Wer Muslimen hilft, macht sie stärker. Das werden wir verhindern!“ verkündeten die buddhistischen Hardliner, die ihren Anhängern Hass und Vorurteile gegen Muslime predigten. Der Aufbau von Häusern für muslimische Opfer wurde gewaltsam behindert. Rassisten verdrängten Mitgefühl.

Erschreckend gleiche und ähnliche Reaktionen heute auf die Flüchtlinge in Europa.
Rechtsradikale Parteien und ihre fanatischen Anhänger schüren die Angst vor dem Fremden, malen die Vorherrschaft des Islam und den Verlust europäischen Kulturgutes auf ihre Transparente. Nicht selten werden Notquartiere und Häuser für Flüchtlinge in Brand gesteckt …   
Was also tun, fragten sich Voitl und Guggenberger während ihres zweijährigen Hilfsprojektes in Sri Lanka? Sie beschlossen nicht zu resignieren, sondern gegen die aggressive Agitation der Mönchspartei und Teilen der Regierung anzutreten. Dabei war die Mitarbeit und Solidarität lokaler Bewohner beider betroffener Dörfer von entscheidender Bedeutung. Zum zweiten Jahrestag des Tsunami konnten die neuen Dörfer, eines für Buddhisten und eines für Muslime, eröffnet und übergeben werden.

Was also tun, ist heute, angesichts der Flüchtlinge ebenso eine zentrale Frage. Im Sinne des Mitgefühls haben Zivilgesellschaften mit spontaner Hilfe und offenem Widerstand gegen Fremdenhass und Rechtsradikalismus eine fulminante Antwort gegeben. Seitens der nationalen wie europäischen Politik sind viele Fragen noch unbeantwortet. Kann und wird es eine Lösung geben, die im Prinzip mit dem Wideraufbau zweier vom Tsunami zerstörter Dörfer vergleichbar ist?

Der Film "Help me … if you can“ gibt einen ungewöhnlich authentischen und schonungslos offenen, tiefen Einblick in die Schwierigkeit und Problematik des Helfens im Umfeld von Rassismus und Gewalt  Der Film zeigt auch überzeugend, dass die beharrliche Überwindung der Hemmnisse und der mutige Kampf um Gerechtigkeit zum Ziel führen kann. In diesem Dokumentarfilm entfaltet sich die Wirklichkeit des Helfens vor den Augen des Kameramannes von Augenblick zu Augenblick, immer fließend, immer lebendig.

Der Film entstand ohne großen technischen und personellen Aufwand. Keine Inszenierung, kein Drehbuch. Voitl und Guggenberger: "Wir haben mit "Help me … if you can" einen Film geschaffen, den wir analog zu Jerzy Grotowskis "teatro povero“ (armes Theater), einen "film povero“ nennen möchten. Grotowski forderte ein "teatro povero“, ein Theater  welches ohne Schminke, ohne Bühnenbild und Kostüm, ohne Beleuchtung und Geräuschkulisse auskommt. Die Schauspieler sollten unmittelbar und schöpferisch sein, wie ein Maler oder Dichter …
Wenn wir in Analogie dazu vom "film povero“ sprechen, dann meinen wir, dass im bewussten Weglassen von großem (üblichen) technischen Aufwand beim Drehen des Filmes, auch eine kreative Chance verborgen ist. Wir möchten mit diesem neuen Begriff "film povero“ die Diskussion zum Thema Dokumentarfilm bereichern. Denn Dokumentarfilme, die wir als "film povero“ bezeichnen würden, entstehen nahe bei den Menschen und deren Wirklichkeiten. Und genau daraus entstehen lebendige und anrührende Geschichten.“

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