Funkenflug 5
Die Altmann'sche Textilfabrik – eine Spurensuche

Künstlerhaus 1050
2. März 2017, 19:30 Uhr


FABRIC – sound/visual/performance (ca. 20min)
Karlheinz Essl jun.: realtime sound performance
Simon Essl: realtime visual performance

danach:

Gespräch
Gabriele Anderl (Historikerin, „Das Jüdische Margareten“)
Karlheinz Essl jun. (Komponist, Performer)
Doron Rabinovici (Autor, Historiker)

Moderation:
Rosemarie Burgstaller (Historikerin, Schwerpunkt Visual History, Nationalsozialismus)

Kuratorin:
Marie Christine Holter

Weitere Termine:
6. April 2017, Funkenflug 6  und 4. Mai 2017, Funkenflug 7,
jeweils 19:30 Uhr


Überblick Funkenflug 1 – 4: 
www.brennendefragen.at/funkenflug

Karlheinz Essl:
The Making of FABRIC...

Karlheinz Essls FABRIC bezieht sich unmittelbar auf den aktuellen Aufführungsort und seine Geschichte, nämlich die von Bernhard Altmann 1915 gegründete Firma zur Erzeugung und Vertrieb von Woll- und Wirkwaren, kurz Altmann'sche Textilfabrik genannt.

Bereits bei seinem ersten Besuch des eindrucksvollen Loftspace von Künstlerhaus 1050 im 4. Stock der ehemaligen Textilfabrik, hatte der Komponist „Feuer gefangen“ und sich mit Begeisterung in seine Arbeit gestürzt. Neben textlichen und bildlichen Quellen zu Bernhard Altmanns Fabrik ließ sich Essl (selbst Sohn einer bekannten österreichischen Kunstsammler-Familie) von Maria Altmanns „Restituierungskrimi“ rund um Gustav Klimts berühmtes Bildnis Adele Bloch-Bauer (1907) inspirieren, das sich im Familienbesitz der Altmanns befand, bevor es zum nationalsozialistischen Raubgut wurde.
Essls 20-minütiges Stück übt einen hypnotischen Sog aus. Die Musik entwickelt sich aus zwei gegensätzlichen Klangmaterialien – einem Nähmaschinengeräusch bzw. Fragmenten aus Schuberts Klavierlied Gretchen am Spinnrade – und steigert sich zu hochenergetischer Klangverdichtung, die als „Wall of Sound” mit voller Härte auf das Publikum trifft. Die Klangebene sowie die ebenfalls von Karlheinz Essl als Algorithmus konzipierten Visuals befinden sich während der Live-Performance in einem ständigen, sich langsam verändernden Transformationsprozess. Dazwischen gibt es lyrische Abschnitte mit Klavierimprovisationen, die – ebenfalls bereits den Keim der Veränderung in sich tragend – sich dramatisch zu neuen Gestalten und Erlebnisqualitäten verdichten. Ganz im Sinne der alchemistischen Transmutation verändern sich auch hier die Substanzen: Der „Fabriksdreck“ und die harte Arbeit der Textilarbeiterinnen verbinden sich zu „Gold“ – und vice versa. Dies spiegelt sich auch in den von Simon Essl gesteuerten Visuals wider, wo aus acht vielfältig miteinander verknüpfbaren Bildsujets ein Film in Echtzeit generiert wird. Bild und Ton entstehen in Wechselwirkung und kommentieren sich gegenseitig. Sie erzählen eine vielfältig lesbare Geschichte, die ihre Energie aus dem Spannungsfeld von vermeintlich unvereinbaren Gegensätzen erhält.
www.essl.at

Mit freundlicher Unterstützung von      



Foto: 
2013 by Julia Wesely

Karlheinz Essl jun. *1960 in Wien, studierte Musikwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Wien, sowie Komposition bei Friedrich Cerha und elektroakustische Musik bei Dieter Kaufmann. Arbeitet als Komponist, Medienkünstler, Elektronik-Performer und Kompositionslehrer. Composer-in-residence bei den Darmstädter Ferienkursen und am IRCAM (Paris). 1997 Komponistenportrait bei den Salzburger Festspielen. Unterrichtete zwischen 1995-2006 Algorithmische Komposition an der Bruckneruniversität in Linz. 2004 Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik. Seit 2007 Kompositionsprofessur an der Musikuniversität Wien. Entwickelt neben Instrumentalwerken und Kompositionen mit Live-Elektronik auch generative Kompositionssoftware, Improvisationskonzepte, Klanginstallationen, Performances sowie Internet-Projekte. Ständige Auftritte als Live-Performer mit seinem selbstentwickelten computer-basierten Meta-Instrument m@ze°2.



Foto: privat

Gabriele Anderl, Dr.in phil., freiberufliche Wissenschaftlerin, Autorin und Journalistin in Wien. Ist Mitglied der Kommission für Provenienzforschung, Vorstandmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und freie Mitarbeiterin von Radio Ö1. Zahlreiche Publikationen u.a. zur NS-Vertreibungs- und Beraubungspolitik bzw. zur Flüchtlings- und Asylpolitik in Vergangenheit und Gegenwart. Arbeitet derzeit u.a. an einer Publikation über den Wiener Kunsthandel während der NS-Zeit sowie über die jüdische Bevölkerung von Wien-Margareten. Publikationen (Auswahl): Jüdisches Leben in der Wiener Vorstadt. Ottakring und Hernals (mit E. Adunka, Wien 2013); Schleppen – schleusen – helfen. Flucht zwischen Rettung und Ausbeutung (Hrsg. mit S. Usaty, Wien 2016). Auszeichnungen: Käthe-Leichter-Preis (1994); Leon-Zelman-Preis für Dialog und Verständigung (2016). 



Foto: Reinhard Werner


Doron Rabinovici wurde in Tel-Aviv geboren, lebt in Wien, ist Autor und Historiker. Publikationen u.a.: Suche nach M. Roman; (Suhrkamp – 1997) Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat; (Jüdischer Verlag bei Suhrkamp – 2000); Ohnehin. Roman; (Suhrkamp – 2004) Der ewige Widerstand. Über einen strittigen Begriff; (styria – 2008) Andernorts. Roman; (Suhrkamp – 2010); 2013/15 Aufführung im Burgtheater "Die letzten Zeugen", Projekt mit Überlebenden von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann; Herzl Reloaded. Kein Märchen; gemeinsam mit Natan Sznaider (Jüdischer Verlag bei Suhrkamp – 2016). Auszeichnungen u.a.: 2002: Jean-Améry-Preis. 2010: Anton-Wildgans-Preis, 2015: Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels.
www.rabinovici.at



Foto: 2015 by eSeL.at

Rosemarie Burgstaller, Dr.in phil., wissenschaftliche Assistentin und Lehrbeauftragte am Institut für Wissenschaft und Forschung der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Projektmitarbeiterin am IKT der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Co-Sendungsgestalterin Radio Ö1: „Betrifft: Geschichte“; 2015–16 Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Visual History, Exhibition Studies, Kultur- und Wissenstransfer im 20. und 21. Jahrhundert, Kunst unter dem NS-Regime, Historische Feindbild- und Vorurteilsforschung, Geschichte des Nationalsozialismus. Aktuelle Publikation: Inszenierung des Hasses. Feindbild-Ausstellungen im Nationalsozialismus, erscheint 2017 im Campus Verlag. 


 

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