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oswald stimm
viaje a la luna en el fondo del mar

eröffnung: 14. 01. 2010, 19 uhr
15. 01. - 07. 02. 2010
 





Rio Negro, 1960er, Holz


Vierkant, 1976, Holz




Eröffnung: 14. Jänner 2010, 19 Uhr

Begrüßung: Fridolin Welte, Vorstandsmitglied des Künstlerhauses

Zur Ausstellung: Peter Bogner, Kurator





Oswald Stimm ist mit seiner Kunst eine Sondererscheinung in der österreichischen Kunst, lange war er trotz seiner großen Vernetzung, wohl auch wegen seiner langen Auslandsaufenthalte kaum in Österreich präsent.
Er vertritt eine herausragende und ungewöhnliche Position in der österreichischen Kunst, das auch wegen seiner Absenz von Österreich. Er konnte sich frei von den Zwängen der österreichischen Nachkriegskunst zwischen Verharren in der klassischen figuralen Bildhauerkunst und der beginnenden Öffnung zur Moderne in seinem Werk entwickeln.
Oswald Stimm hatte 1946 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Müllner und Franz Santifaller Bildhauerei studiert und in der unmittelbaren Nachkriegszeit sowohl die traditionellen Strömungen der damaligen österreichischen Kunst kennengelernt, wie auch die neuesten Tendenzen, die über den nach Österreich zurückkehrenden Fritz Wotruba propagiert wurden.
1951 lies sich Stimm in Argentinien nieder und kam auch hier mit der Avantgarde, die noch vor dem Krieg durch Exilanten nach Südamerika gekommen war in Kontakt. Aus den Anregungen des russischen Konstruktivismus sollte zu dieser Zeit ein neuer indoamerikanischer Stil entstehen. In zahlreichen Denkmalentwürfen setzte sich Stimm mit der Kunst der klassischen Moderne auseinander im besonderen mit dem Programm der argentinischen Künstlergruppe „Mado“.
1965 nach seiner Rückkehr nach Wien entstanden „intensive Gebilde“ wie sie Otto Mauer nannte. Der Gruppe nächst St. Stephan nahestehend, man denke nur an die malerischen Positionen Josef Mikl und Markus Prachensky, schuf Stimm Objekte aus Röhren und Kisten, die oft in ihrer Materialität und Farbigkeit an den südamerikanischen Aufenthalt erinnern.
Ab 1973 war Oswald Stimm für sieben Jahre an der Akademie der bildenden Künste in Kinshasa / Zaire, dem heutigen Kongo tätig. Aus seiner Berührung mit der ethnischen Kunst entstanden zahlreiche Arbeiten die oftmals auch wie in seinen ersten Arbeiten in Argentinien politische Statements sind.
Ab 1982 wieder in Wien entwickelte Stimm seine Eindrücke in seinen skulpturalen, objekthaften Werken weiter. Weiter bleibt er - einige Male in Kombination mit Metallen - seiner Vorliebe für das Material Holz treu. Was er immer wieder mit Verweis auf seinen Großvater, der Drechslermeister war begründet, in dessen Werkstatt er die zahlreichen verschiedenen Qualitäten der Hölzer kennenlernte. Auch heute noch besitzt Stimm einige Furniere und Holzstücke, sowie den großen Arbeitsschrank seines großen Vorbildes. Stimms Schaffen, bestimmt von einem offenen Ansatz, kombiniert Fundstücke aus dem Wald, alte Obstkisten, rostende Metallstäbe in archetektonischer Denkart miteinander. Schale und Kern öffnen sich, durchdringen einander. Er verschachtelt und verrohrt seine Objekte deren Oberflächenreiz in der Ürsprünglichkeit der Materialien liegt. Allseitig durchgebildet, strebt Stimm „das Werk aller Werke“ an, ein kubisches Gebilde aller Seiten zueinander, einer Allansichtigkeit, wie sie den Theorien von Malewitsch folgt.
Einflüsse aus der italienischen arte povera lassen sich feststellen, aus dem russischen Konstruktivismus, aus der afrikanischen Stammeskunst, und lateinamerikanischen Tendenzen sowie aus der klassischen europäischen Moderne in ihrer amerikanischen und südamerikanischen Entwicklung. Seine Schaffen steht im Spannungsfeld aus Rückgriffen Vorgriffe zu machen auf die Entwicklung der Kunst und steht deshalb heute aktueller den je in der österreichischen Kunst, wenn man an Arbeiten jüngerer Kollegen Wurm und Gelitin denkt. Und er hat gerade in Zeiten der österreichischen Nachkriegskunst, die sich extrem trocken akademisch statisch präsentierte eine heute selbstverständlich akkzeptierte fröhliche, „wohlgestimmte“ , humorvolle Note gebracht.
Oswald Stimm ist ein nationaler Künstler, ein internationaler, ein lokaler Künstler - mit seinem mehrdimensionalen denken, seinen mehrfachen Erfahrungen mit anderen Kulturen.
Oswald Stimm ist ein universalistischer Künstler.

Peter Bogner, Kurator