Das Künstlerhaus präsentiert sich auch 2008 als eines der Zentren für den alle zwei Jahre abgehaltenen Monat der Fotografie. Mit insgesamt sechs Ausstellungen von jungen, aufstrebenden sowie bereits renommierten österreichischen Künstlern und vielen Sonderveranstaltungen bereichert das Künstlerhaus das Programm des größten österreichischen Foto-Festivals.
Markus Krottendorfer
Automarkt
Eröffnung: 30. Oktober 2008, 19 Uhr
31. Oktober – 23. November 2008
Künstlerhaus k/haus passagegalerie
Die Diashow Automarkt (2007) zeigt mit über 40 Schwarz-Weiß Fotografien die Protagonisten eines Gebrauchtwagenmarktes in der georgischen Hauptstadt.„Das Interesse an der Komplexität von sozialen Gefügen und gesellschaftlichen Konstellationen führt mich zu den Schauplätzen, die in meinen Diashows zu sehen sind. Die Fotografien bilden dabei weniger individuelle Handlungen ab, als dass sie kollektive Aktionen zeigen, die unter scheinbar chaotischen Zuständen zu einem selbstständig funktionierenden System gefunden haben. Dabei interessiert es mich, die Möglichkeiten und Grenzen der Abbildung von Realitäten gerade durch das scheinbar objektivste aller Medien – die dokumentarische Fotografie – zu hinterfragen. Bei der Suche nach dem idealen dokumentarischen Blick scheint es mir wichtig, als Akteur hinter der Kamera in den Fotografien sichtbar zu werden, das bedeutet, dass ich den Fotograf als Teil des Geschehens begreife.“ (Markus Krottendorfer)
Kuratorin: Nadine Wille
Marianne Greber
Sou Glamour
Eröffnung : 4. November, 19 Uhr
5. – 30. November 2008
Künstlerhaus k/haus galerie
“Ich bin als Mann geboren,
habe mich zur Frau gewandelt,
bin Transvestit par excellence.“
Luana Muniz
In ihrer Ausstellung SOU GLAMOUR präsentiert Marianne Greber eine synoptische Sequenz ihrer Arbeiten über Lebenssphären und -haltungen der Transvestiten (Transfrauen) Brasiliens. Sie arbeitet mit Protagonistinnen in Rio de Janeiro, Salvador da Bahia und Europa zusammen und zeigt Video- und Fotoarbeiten, die in den Jahren 2005 bis 2008 entstanden sind.Die Lebenswelten umspannen sexuelle Professionalität und die Dialektik von Männlich und Weiblich, zeigen einen Alltag, der zur Bühne performativer Strategien gemacht wird, um ein Leben im 'Dazwischen', das Menschen zur Zielscheibe von Spott und Aggression macht, aber auch existentielle Möglichkeiten jenseits konformistischer Lebensentwürfe aufschließt, zu ermöglichen.
Marianne Greber tritt in Dialog mit den Transvestiten und geht auf einen diskursiven Prozess ein. Dabei ist die Kommunikation nicht Mittel, sondern Zweck. Gedankliche Zeichnungen der Protagonistinnen fließen in ihre Arbeit ein, denn die Einbeziehung der Protagonistinnen ist Bedingung ihrer Arbeit. Und diese Bedingung ist nicht nur Ausgangspunkt des Sehens, sondern der 'Ort' einer Identität – lebensbejahende Gesten und raumgreifende Kräfte – dem 'Raum' gegeben wird. Ausdruck des Willens, des Körpers und des Seins, die den Charakter definieren: stolz, stark, traditionell und schwer zu bezwingen.Utopie und Alltag, Spiel und Sein als gelebter Traum jenseits von sexueller Kodifizierung und gesellschaftlichem Regelverhalten. Traummaschinen, die zeigen, wie sie sich zu einem logischen Schluss zeichnen, wie sie sich reinigen in dem Sinne, dass es möglich ist, in ihnen zentrale Elemente der Kunst und der kulturellen Konfiguration von Sexualität, Sex und Geschlecht zu sehen. Das Sein einer anderen Welt, das einen Blick eröffnet auf ein Paralleluniversum unserer selbst, was wie ein Brennglas Gefühle bündelt und verdichtet.
„Transvestiten Brasiliens – Traummaschinen. Der Körper ist ihre Stärke und ihre Besessenheit zugleich. Alles, was sie tun, ist eng mit ihm verbunden. Tanz, Musik und sexuelle Professionalität. Stolz im Charakter, unbezwingbar im Willen, individuell in der Gesellschaft. Unverwechselbar. Die Strasse ist ihre Bühne, der Alltag ihre batalha, der tägliche Kampf um Anerkennung und Respekt. Ihr Sein ist Kunst.“ Marianne Greber
Kurator: Peter Weiermair
Begleitprogramm:
5. November 2008, 19 Uhr Die wirkliche Illusion, A Ilusão verdareira
Luana Muniz im Interview mit Peter Weiermair und Marianne Greber. In portugiesischer und deutscher Sprache, Simultanüberversetzung
Ankündigung:
ORF 'dok.film': Marianne Greber - Vom Leben dazwischen - Das dritte Geschlecht von Rio, Dokumentarfilm © ORF 2008
Sendetermin: 16. November 2008, 23:00 Uhr, ORF 2
Robert Zahornicky
Garten der Erinnerung
Eröffnung: 4. November, 18 Uhr
5. November – 8. Dezember 2008
Künstlerhaus k/haus kinogalerie
In Robert Zahornickys Fotoarbeiten geht es um die Wirklichkeit und ihre Darstellung. Wie Filmaushangfotos, die dem Betrachter Informationen zu dem erwarteten Film geben möchten, zeigen die Fotos der Ausstellung nur einen Augenblick des Geschehens, mittels dem sich der Betrachter seine Vorstellung konstruieren muss. Zahornickys Arbeiten, die in den Jahren 2000/2001 im botanischen Garten von Brooklyn und 2003 bis 2008 in den botanischen Gärten von Kiew, Paris, Berlin, Wien und Madrid entstanden, bilden nur die Bereiche der Gewächse, die unmittelbar um die Schrifttafeln liegen, ab. So erschließt sich die dargestellte Pflanze nicht über ihre Schönheit, sondern nur durch ihre Bezeichnung und die darauf folgende Imagination des Gewächses. Die Bezeichnungen auf den Fotos können aber auch vollkommen andere Assoziationen auslösen und den Blick der BetrachterInnen nach innen lenken: auf Städte, bekannte Menschen oder Filme, deren Titel manche Pflanzen zum Namen haben.
Erich Lessing
Unterwegs
Eröffnung 12. November, 18 Uhr
13. November – 8. Dezember 2008
K
ünstlerhaus k/haus
Die Ausstellung zeigt einen Überblick über Erich Lessings fotografisches Schaffen der letzten 65 Jahre. Immer wiederkehrend bei Lessing: die Einsamkeit des Einzelnen in der Gesellschaft und die Not der Flüchtlinge. Distanz zu den und Respekt für die Menschen sind Hauptpunkte von Lessings Aufmerksamkeit, wobei er jeglichen Voyeurismus meidet. Die Schaffensperiode bis zur Mitte der Fünfzigerjahre ist bestimmt durch die großen internationalen Konferenzen, zum Teil auch innerhalb des Redaktionsstabs der New York Times gemacht. Dokumentationen zum Marshallplan folgten in den damals noch existierenden europäischen und türkischen Kohlebergwerken. Lessing dokumentierte auch die landwirtschaftliche Hilfe in der Türkei und im Iran. Viele Reportagen über das Leben in den kommunistischen Ländern folgten von 1955 – 1965, als es langsam möglich wurde, den Osten nicht nur als Tourist, sondern als Zotograf zu bereisen.
Didi Sattmann
Künstler / Freunde
Eröffnung 12. November, 19 Uhr
13. November – 8. Dezember 2008
Künstlerhaus k/haus
Die Suche nach dem richtigen Bild ist für Didi Sattmann immer auch eine Suche nach den Antworten auf die Fragen des eigenen Daseins. Die Begegnung mit Menschen steht dabei stets im Mittelpunkt seiner fotografischen Arbeit: noch mehr als das Aussehen von Menschen fasziniert den Künstler, was hinter der Oberfläche steht, nämlich innere Qualitäten, Charakter, Emotionen, Denkweisen und Haltungen. Sattmann will mittels Fotografie erfassen, festhalten, wie Menschen fühlen und denken. Besonders interessieren ihn dabei jene Menschen, die sich der Kunst verschrieben haben, ein Thema das sich im Laufe der Jahre zu seinem bevorzugtem Bildmotiv entwickelt hat. Über viele Jahre hat Sattmann seine KollegInnen mit dem Blick durch die Kamera begleitet. In einzelnen Positionen werden KünstlerInnen und ihre Werke, ihre Lebenswelten in charakteristischen privaten wie öffentlichen Momenten durch die Sicht des Fotokünstlers dargestellt.
Kurator: Peter Bogner
Begleitprogramm
30.11., 11 Uhr, Musikmatinee: Karl Ritter: Atmen - Die Gitarre kennt keine Stimmung, keine Tonart, sie schimmert oder wimmert. Immer wieder: Ein Akkord wie ein gefrorener Wasserfall, durch den die Sonne blitzt.
7.12., 16 Uhr, ESSL.BURGER - Karlheinz Essl (electronics) meets Klaus Burger (Tuba) - Ohne Vorgaben oder konzeptionelle Sicherheitsnetze gestalten Klaus Burger und Karlheinz Essl aus der momentanen Situation vibrierende Klangräume.
Traces
Erinnerung in Fotografien
Eröffnung 12. November, 20 Uhr
13. November – 8. Dezember 2008
Künstlerhaus k/haus
Die Gruppenausstellung widmet sich der Fotografie als Anknüpfungspunkt persönlicher Erinnerung. Unsere Verwendung des fotografischen Mediums für die Tradierung und Vermittlung von Erfahrungen wirft grundlegende Fragen zum Wesen der Fotografie und ihrer Verortung zwischen Erinnerung und Gedächtnis auf. Die Ausstellung kann für diese Fragen sensibilisieren, weil sich die KünstlerInnen in der Auseinandersetzung mit dem Erinnern und der Erinnerung in Fotografien ihrerseits im Medium der Fotografie artikulieren. Wenn wir uns erinnern, steigen Bilder aus unserem Gedächtnis auf. Wir empfinden dies nicht selten als ein Wiederkehren, so als hätten wir diese Bilder von früher in unserem Kopf behalten. Tatsächlich aber werden die Bilder unserer Erinnerung erst im Erinnern geformt oder gar konstruiert. Das fotografische Bild erscheint demgegenüber als eine Spurensicherung in die Vergangenheit.
Kuratorinnen: Brigitte Konyen, Angela Schwank
Teilnehmende KünstlerInnen: Almblitz, Christoph Burtscher, Christina Drimmel / Wolfgang Tonninger / Norbert Bacher, Moucle Blackout, Eva Brunner-Szabo, Ilse Chlan, Linda Christanell, Kerstin Cmelka / Nora Schultz, Isabel Czerwenka- Wenkstetten, eSeL, Joachim Lothar Gartner, Birgit Graschopf, Silvia Grossmann, Brigitte Konyen, Zbigniew Kosc, Claudia-Maria Luenig, Karin Mack, Sissa Micheli, Sabine Müller-Funk, Pilo Pichler, Willy Puchner, Christian Rupp,Fritz Ruprechter, Angela Schwank, Akelei Sell, Johannes Stoll, Kurt Straznicky
Begleitprogramm
16.11., 10–15 Uhr, Lectures I: „Erinnerung, Spur, Semiose“
Vormittagsprogramm
10 – 12 Uhr
"Spur und Relikt. Zwei Formen des Sich-Erinnerns."
(Gabriele Jutz )
"In der hellen Kammer. Erinnern und Vergessen im Medium der Fotografie." (
Wolfgang Müller-Funk)
Pause 12 - 13 Uhr
Nachmittagsprogramm
13 – 15 Uhr
Erstes Podiumsgespräch:
Gabriele Jutz und Sabine Müller-Funk
Zweites Podiumsgespräch:
Almblitz, Christian Rupp, Sissa Micheli, Akelei Sell, Brigitte Konyen.
Moderation: Angela Schwank
20.11., 19 Uhr, Eröffnung Assoziierte Ausstellung, Galerie Geyling “wirklich wahr”, 21.11.–18.12.
mit Eva Brunner-Szabo, Ilse Chlan, Brigitte Konyen, Willy Puchner, Angela Schwank, Johannes Stoll
23.11., 10–15 Uhr, Lectures II: „fotografische Räume“
10 - 12 Uhr:
„Vom Erinnern aus Kunst. Das wiedergefundene Porträt in der konzeptuellen Kunst“ (Marc Ries)
„Die Höhepunkte des Lebens. Über private Fotografie“ (Willy Puchner)
Pause 12:00 - 13:00 Uhr
13 - 15 Uhr:
„Visuelle Rhetorik einer Gesellschaft im Wandel. Fallbeispiel: Die Slowenen 1991–2008“ (Hanno R. Hardt)
anschließend Gespräch mit den Künstlerinnen Moucle Blackout, Linda Christanell, Karin Mack und den Kuratorinnen
30.11., 11 Uhr, Filmmatinee im Künstlerhauskino
Mit Arbeiten von Moucle Blackout, Christoph Burtscher, Eva Brunner-Szabo, Linda Christanell, Sissa Micheli, Johannes Stoll
4.12., 18 Uhr, „sünnet – das Fest”
Live-Musik und Kulinarisches aus dem Orient
8.12., 16 Uhr, Finissage
Das Projekt PILGRIMAGE der Gruppe Almblitz wird eröffnet, wenn die Ausstellung Traces endet: Bilder der Ausstellung werden als Bildwolke mit Hilfe eines Richtsignals in den Weltraum geschickt.
|