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| wohnmodelle - experiment und alltag eröffnung: 15 .12 .2008, 19.30 uhr 16. 12. 2008 - 22. 02. 2009 |
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| Die Ausstellung Wohnmodelle geht anhand von zwölf internationalen Wohnbauprojekten der Frage nach, wie Experimente im Alltag funktionieren. Im Zentrum stehen nicht die ArchitektInnen und ihre Bauwerke, sondern die Wohnbauten und ihre BewohnerInnen. Darin unterscheidet sich Wohnmodelle von einer klassischen Architekturausstellung. Die Spanne reicht vom chilenischen Sozialwohnbau zum Selbst-Weiterbauen über die Wiener Sargfabrik bis hin zu einer elitären Wohngemeinschaft in Tokio. Jedes der Projekte wird durch ein großes, eigens für die Ausstellung angefertigtes "Lehrmodell" erläutert, das es den BesucherInnen des Künstlerhauses ermöglicht, sich ein räumliches Bild von der jeweiligen Besonderheit zu machen und sich bei einigen durch die Räume im Maßstab 1:1 zu bewegen. Die BewohnerInnen haben für die Ausstellung ihre Wohnung und deren Umfeld selbst mit Digitalkameras dokumentiert und diese Bilder kommentiert. Ergänzt werden diese zwölf Prüfstände, an denen die Architektur einem Alltagscheck unterzogen wird, durch weitere Exponate. Diese erzählen vom schwierigen Prozess, eine modellhafte Lösung in der Architektur zu erzielen: Sei es beim Selbstversuch am Basteltisch oder anhand von 800 Modellen, die im Grundkurs der Abteilung Gestaltungslehre und Entwerfen an der Technischen Universität Wien entstanden sind. Oder sie treiben den Wohnalltag auf die Spitze und stellen, als Gegenpart zu den architektonischen Experimenten, den alleralltäglichsten Alltag in Gestalt eines österreichischen Durchschnittswohnzimmers vor, das sich eine Werbeagentur aufbauen ließ und das in der Künstlerhaus-Ausstellung nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Entwicklung Im September 2007 fand ein Symposium mit dem Titel „Wohnbauten weltweit“ im Künstlerhaus Wien statt. ArchitektInnen und TheoretikerInnen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten stellten internationale Beispiele aus dem Wohnbau vor, die in architektonischer oder sozialer Hinsicht Experimente wagten. Aus den 60 vorgestellten Projekten wurden zwölf Projekte ausgewählt, die nun im Dezember im Künstlerhaus zu sehen sind. Die SymposiumsteilnehmerInnen waren Fernando Diez (Argentinien), Hans Ibelings (Niederlande), Taro Igarashi (Japan), Ivan Kucina (Serbien), Denise Arnold und Susanne Schindler (USA), Axel Simon (Schweiz) und die Kuratoren der Ausstellung, Oliver Elser (Deutschland) und Michael Rieper (Österreich). Ausgewählte Projekte Liste der ausgewählten Projekte aus unterschiedlichen Kontexten von Chile bis Japan: Atelier Kempe Thill / A Row of Houses, Roosendaal, Niederlande, 2005 BKK-2 / Sargfabrik, Wien, Österreich, 1996 BKK-3 / Miss Sargfabrik, Wien, Österreich, 2000 Elemental, Alejandro Aravena / Elemental Iquique, Iquique, Chile, 2004 Faleide Architects / Tierra Nueva Farm Labor Housing, Alamosa, USA, 2005 Riken Yamamoto & Field Shop / Shinonome Canal Court, Tokio, Japan, 2003 Haerle Hubacher / Wohnüberbauung Balance, Uster, Schweiz, 2001 Landon Bone Baker / Archer Courts, Chicago, USA, 2001 Ryue Nishizawa / Moriyama House, Tokio, Japan, 2005 roedig .schop / ten in one, Berlin, Deutschland, 2005 Lacaton & Vassal / Sozialwohnbau in Mulhouse, Frankreich, 2005 Iva Letilovic & Morana Vlahovic / POS - Sozialwohnbau, Krapinske Toplice, Kroatien, 2003 Beispiele Elemental, Alejandro Aravena, Chile: Elemental Iquique Der Sozialwohnungsbau aus Chile ist im Bereich niedrigster Baukosten angesiedelt. Um eine größere Gruppe von LandbesetzerInnen dauerhaft zu etablieren und nicht an die Peripherie abzusiedeln, musste ein Großteil der zur Verfügung stehenden öffentlich geförderten Bausumme für den Erwerb des Grundstücks aufgebracht werden. Der verschwindend geringe Rest wurde dazu verwendet, eine Rohbaustruktur zu errichten, die von den BewohnerInnen selbst weitergebaut werden konnte. Es zeigte sich, dass diese innerhalb weniger Wochen mit einem hohen persönlichen Arbeitsaufwand ihre Häuser fertig stellen konnten. Die lange zurückreichende Debatte über Individualität im Wohnbau wird durch dieses Experiment bereichert: Es zeigt sich, dass eine strategisch richtig gewählte Minimalarchitektur in der Lage ist, Kreativität und Eigeninitiative freizusetzen. BKK-2 und BKK-3, Österreich: Sargfabrik und Miss Sargfabrik Hinsichtlich der sozialen, architektonischen aber auch ökonomischen Anforderungen an einen zeitgenössischen Wohnbau sind die Sargfabrik und ihr jüngerer Ableger, Miss Sargfabrik, eines der weltweit interessantesten Projekte. Das aus einer Eigeninitiative heraus entstandene Projekt hat Maßstäbe gesetzt, insbesondere auch, weil es die Grenzen des Baugeländes ausweitet und Angebote schafft, die weit ins umgebende Quartier hineinreichen. Aufgrund ihrer Vorbildhaftigkeit gebührt dem Projekt innerhalb der Ausstellung ein herausragender Platz. Ryue Nishizawa, Japan: Moriyama House Das "Haus als kleine Stadt" ist eine auf den Architekturtheoretiker Alberti zurückgehende Denkfigur. In diesem aktuellen Projekt in Tokio wurde die Metapher vom urbanen Raum des Hauses mit minimalen Mitteln in Architektur übersetzt. Auf einem Einfamilienhausgrundstück stehen einige locker in den Raum gestreute Stahlkuben. Zwischen diesen Minimalbehältern der einzelnen Wohnbedürfnisse fließt der Straßenraum, ohne jede Barriere getrennt, aufs Grundstück hinein. Jeder kann das Gelände betreten. Auch unter den Bewohnern herrscht eine irritierende Schrankenlosigkeit. Denn Einrichtungen wie Küche und Bad sind nur durch den Außenraum erreichbar. Gemeinschaftliche Wohnformen, seit dem 19. Jahrhundert eine Utopie vieler Sozialreformer, werden hier unter gänzlich anderen Vorzeichen erprobt. |