
künstlicher horizont
Workshop in Zusammenarbeit mit der
C/O/N/E/C/T/A Gesellschaft für Organisationsberatung
7. April 2000
Der Verein der Freunde des Künstlerhauses hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, eine Schnittstelle in der Verbindung der Bereiche "Kunst" und "Wirtschaft" zu bilden. In diesem Zusammenhang steht auch das Projekt "künstlicher horizont", das Wertesysteme und Rollenverständnis in Kunst und Management untersuchen und hinterfragen will. "künstlicher horizont" ist der Anfang einer längerfristig geplanten Kooperation zwischen dem Künstlerhaus und der C/O/N/E/C/T/A, Gesellschaft für Unternehmensberatung und Mäzen des Künstlerhauses.
Die Bereiche "Kunst" und "Management" haben landläufig in einer nur eingeschränkten Art miteinander zu tun. Einerseits braucht Kunst zu ihrer Vermarktung und Finanzierung das Management, das als Kunstmanagement schon längst zu einer eigenen Disziplin geworden ist, anderseits sehen Unternehmen Kunst als eine soziale Kategorie, deren Förderung vorwiegend der Imagepflege dient.
Die Verbindung dieser Bereiche kann aber auch in einer ganz anderen Dimension betrachtet werden, nämlich anhand der Eigentümlichkeiten im Arbeitsprozeß. Aus deren Vergleich und gegenseitigem reflektierenden Austausch lassen sich neue Wertesysteme und Rollenverständnisse für die jeweilige Gruppe herausarbeiten.
Begriffe wie Kontext, Strategie, Intervention und Projekte - vor allem im Zusammenhang mit Transformationsprozessen - kennzeichnen da wie dort die gegenwärtige Orientierung. Wertesysteme wie Kreativität, Flexibilität, vernetztes Denken und Diskursfähigkeit haben da wie dort Bedeutung. Soziale, ökonomische und politische Interventionen gehen von beiden Seiten aus, werden aber in der Gesellschaft unterschiedlich bewertet und aufgenommen.
Das Projekt "künstlicher horizont" stellt die Frage, wie KünstlerInnen und ManagerInnen den jeweils anderen Bereich beschreiben, welche Selbst- und Fremdbilder existieren, wie Persönlichkeit mit Rollen in Einklang gebracht werden.
Das Ziel des Projektes geht in 2 Richtungen:
ein erweitertes Selbstverständnis und einen gegenseitig befruchtenden Erfahrungsaustausch für die Gestaltung der eigenen Profession auf der persönlichen Ebene, sowie
das Ausloten neuer Möglichkeiten für Kooperationen und Vernetzungen auf einer organisatorisch institutionellen Ebene.
Ausgangspunkt des Projektes war eine Reihe von EDV- unterstützter Interviews, die die C/O/N/E/C/T/A im Frühjahr 2000 mit rund 40 ExpertInnen aus den Bereichen Kunst, Management und Beratung geführt hat, darunter mit folgenden InterviewpartnerInnen:
KünstlerInnen:
Konrad Becker
Jakob Gasteiger
Walter Kölbl
Walter K. Kosak
Cornelius Kolig
Martin Walde
Jana Wisniewski
Heimo Zobernig
ManagerInnen:
Wolfgang Grebner, Phillips
Manfred Feichter, Postsparkasse
Dietrich Karner, Generali Versicherung
Wolfram Littich, Wiener Börse
Rudolf Siegle, Springer Verlag
Helga Stattler, The Company Stage
Alexander Wrabez, ORF
KunstmanagerInnen:
Angelica Bäumer, Kulturjournalistin und Autorin
Dieter Bogner, Bogner & Lord
Sabine Breitwieser, Generali Foundation
Gerry Keszler, Life Ball
Josef Ortner, museum in progress
Christian Reder, Universität für angewandte Kunst
Doris Rothauer, Künstlerhaus
Wolfgang Waldner, Museumsquartier
Albert Wimmer, Architekt
BeraterInnen:
Philipp Goeth, Deloitte et Touche
Peter Hochegger, Hochegger/com
Fritz Orasch, Kommunikationsberater
Boris Pavlekovic, Neuhimmel
Herbert Schober, Conecta
Doron Zuckermann, Pro & Co
In einem zweiten Schritt fand am 7. April 2000 ein workshop im Künstlerhaus statt, bei dem die Analyseergebnisse aus den Interviews und erste Hypothesen präsentiert wurden sowie auf Basis dieses Materials die Teilnehmer sich in aktiven Kooperationsgruppen mit der Thematik auseinandersetzten.
Die Analyseergebnisse aus den Interviews ergaben folgendes Bild:
Alle befragten ManagerInnen und KünstlerInnen positionieren sich relativ ähnlich, sie sehen sich auch sehr nahe bei ihrem jeweiligen positiven Berufsbild, das bei ManagerInnen zwischen Ergebnis- bzw. Strukturorientierung (effizient organisiert, analytisch, dienstleistungsorientiert) und Quer- bzw. Vordenker (dialogfreudig, neugierig, fokussiert auf menschliche Potentiale, offen) liegt, bei KünstlerInnen zwischen Quer- bzw. Vordenker und schöpferischem Handeln bzw. gesellschaftlicher Verantwortung (impulsiv, selbstbestimmt, freidenkerisch, ethisch gesinnt, gesellschaftliche Ziele verfolgend).
Im Zugang zueinander macht sich eine Kluft in den Fremdbildern auf: Während ManagerInnen davon ausgehen, daß KünstlerInnen ein eher negatives Bild von ihnen haben, gehen KünstlerInnen von einem tendenziell positiven Bild aus, das ManagerInnen über Kunst haben.
Thematisch scheinen sich die beiden Rollen im Auftrag (gesellschaftlicher bzw. wissenschaftlicher) und der Herangehensweise (zweckorientiert bzw. offen) zu unterscheiden/ergänzen.
Auf Seiten der ManagerInnen wird die eigene Freiheit und die Absicht, für und mit anderen etwas zu bewirken, betont. Auf Seiten der KünstlerInnen kann das Lustorientierte, Gesellschaftskritische und Schöpferische im Vordergrund gesehen werden.
Aus Sicht der ManagerInnen stecken in KünstlerInnen einige Potentiale, die für die eigene Arbeit unterstützend sein könnten. Für KünstlerInnen ist die starke Ergebnisorientiertheit der ManagerInnen eher befremdend.
ManagerInnen und KünsterInnen verfügen über eine gemeinsame Basis (Querdenken), die sie in verschiedener Weise nutzen. Es polarisieren sich "kreative, gesellschaftlich wertschaffende Schöpfer" gegenüber "strukturierten, innovativen, zweckdienlichen Umsetzern".
In Bezug auf Kooperationen zwischen Kunst und Wirtschaft weichen die Einschätzungen zum Status Quo von Kooperationen stark voneinander ab. Dagegen ist das ideale Wunschbild homogener. In der Tendenz bewerten KünstlerInnen die heutigen Kooperationen negativer. Aus Sicht des Managements werden Kooperationen in Richtung Ergebnisorientierung gesehen, die eine funktionale und wirtschaftsbezogene Nutzung nahe legen.
Aus Sicht der KünstlerInnen steht bei heutigen Kooperationen ein oberflächliches und am Profit orientiertes Interesse an der Kunst im Zentrum der Kritik. Gewürdigt wird hingegen die Suche nach Kommunikation, die ähnlichen Strategien, das Auslösen von Neugierde.
Aus Sicht der ManagerInnen wird bei heutigen Kooperationen eine in sich abgeschottete Grundhaltung von KünstlerInnen mit einem überheblichen Anspruchsniveau kritisiert. Hervorgehoben wird dagegen die Bereicherung um die emotionale Seite und eine mit ethischen Werten verbundene Außensicht.
Die detaillierten Ergebnisse können Sie auf der homepage www.conecta.com unter KPRAES:ppt als Powerpoint-Datei auf Ihren Computer laden.
Im Herbst wird abschließend ein Kataolgheft zum "künstlichen horizont" erscheinen. Bestellungen unter office@k-haus.at sowie unter conecta@conecta.com.
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