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Michael Nagl
Aspekte der Sexarbeit


Eröffnung: 17. Dezember 2009, 19 Uhr
18. Dezmber 2009 - 10. Jänner 2010
 




 
Begrüßung: Peter Bogner, Direktor des Künstlerhauses

Einleitende Worte: Maren Gröning, Fotokuratorin

Musik: B. Fleischmann



Spezielle Ausstellungsbesichtigung auf Anfrage
unter 0676 721 93 62

Ebenso unbeirrt und unablässig wie erfolglos sucht Michael Nagl, seit er denken kann, nach dem idealen Bild. Zwar vergleicht Robert Adams, Meister der amerikanischen Kunstfotografie, seine Arbeiten zwischendurch einmal mit denen Renoirs, aber der hiesige Kunst- und Kulturbetrieb nimmt von ihm hartnäckig auch weiterhin keine Notiz. Als sein Projekt einer großformatigen Gürtel-Dokumentation von den üblichen Kommissionen als “autoritär” abgetan wird, setzt er sich in sturer Renitenz in seinen bedauerlichen 2er Golf, um die Triesterstraße zu dokumentieren, und zwar die gesamten rund 500 Kilometer, die es ja immerhin seit 2000 Jahren gibt.
Aber schon nach 40 Kilometern und drei Fotos aus der Kategorie “illustrierte Theorie” ist Endstation. Ausgerechnet in einem ausgebrannten Puff findet Nagl, was er immer schon gesucht hat: seine persönliche, künstlerische Quadratur des Kreises. Er spontanmutiert zu Weegee The Famous. Wenn man ihn kennt, kann man ihn sich vorstellen, wie er in der rußigen Schwärze des Bordells in jeden Spind und jeden Winkel blitzt und dabei in sich hineinlacht, so laut es geht. Aus dem verschmorten Etablissement wird so etwas wie das Fotonegativ eines Sittenbildes. So sexy kann Subtext sein, gerade wo er sich noch so überaus bequem in den ironisch-selbstgerechten und politisch korrekten Projekt-Titel integrieren lässt.
Und Sex sells in der Tat: Ohne weiteres verschafft ihm die korrespondierende Bildauswahl eine Ausstellung in der Künstlerhaus Passagegalerie: Der Sesam öffnet sich. Nagl, euphorisch, schreibt wieder an seinen Tele-Mentor in Amerika, in der Hoffnung auf noch ein Adelsprädikat. Aber dessen orakelhafte Kommentar aus dem Off wirkt wie ein paar Schuhe, in die er erst noch hineinwachsen muss :“Der Verstand ruht auf der Verlässlichkeit der Wahrheit.”