Zeigen. Dieser Wunsch, dieses Problem steht im Mittelpunkt der Ausstellung.
In der Beschäftigung mit Video komme ich dem nicht aus. Ich selbst schaue
aus dem Videobild immer zurück. Diese Spur versuchte ich bislang zu entkoppeln,
Relais und Systeme zwischen zuschieben, die den Blick relativierten. Ich
zeige, nichts Besonderes, nehme einen Faden auf, verfolge eine Spur, setze
etwas ins Bild, schaue was passiert, wenn ich die Kamera auf eine bestimmte
Weise führe, verführe.
Im ersten der drei Videos reagiert die Kamera auf Anweisungen, die ich
mittels Blickrichtungen gebe. Die Durchführung ist ungenau. Ein Keyframe-Pfad,
der bei der Bearbeitung des Materials im Schnittprogramm entstanden ist,
bildet eine Art Koordinatensystem, das die Abweichung mit ins Bild setzt.
Kontrolle und Kontrollverlust.
Das zweite Video besteht aus dem flimmernden, penetranten Fluss einer
Kamerafahrt entnommener Standbilder. Ein Zeigefinger erscheint in der
Mitte des Bildes fixiert, zeigt irgendwo hin, lockt, wird zum Zeichen,
setzt die Umgebung zu sich selbst in Bezug. Im Wackeln der Bilder spiegeln
sich die Bewegungen der Handkamera und des Fingers wieder. >come back<
meint vor allem auf etwas zurückkommen, auf etwas reagieren, erinnern.
Das letzte und gleichnamige Video ist ein Spaziergang, der rückwärts und
leicht verlangsamt wiedergegeben wird. Man sieht mich von hinten, eine
Runde um das Haus drehen, in dem ich aufgewachsen bin, flanierend, schauend.
Die Kamera folgt.
„... Wenn Flora Watzal Videos macht, dann also sicher nicht mit dem Anspruch,
Wirklichkeit im Sinne einer auf ihre Oberflächlichkeit zu reduzierenden
Tatsachenwelt abzubilden. Vielmehr ist ihr Anliegen, das scheinbar so
glatte Verhältnis zwischen Abbild und Abgebildetem zu stören, letzteres
auf seine Reproduzierbarkeit hin zu hinterfragen. Ihr Interesse gilt einem
Dazwischen, dem jeweils neu zu kreierenden Raum zwischen Anschauendem
und Angeschautem: der Kamera, den Bildausschnitten, der Perspektive …“
Sarah Kolb
(Textauszug aus: „und Fliege“, Katalogheft 2004)
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