© Künstlerhaus (Franz Xaver Pönninger, Architekt Friedrich August von Stache) Foto: Auktionshaus Im Kinsky GmbH

NACHVERKAUF - Das Künstlerhaus und seine Kunstwerke
Überraschendes aus dem 19. Jahrhundert in der 130. Auktion im Kinsky

Palais Kinsky
bis 16. Dezember 2019


Nachverkauf der 130. Kunstauktion – Jugendstil & Design, Klassische Moderne, Zeitgenössische Kunst- vom 3. und 4. Dezember 2019 im Auktionshaus im Kinsky
 
Das Künstlerhaus und seine Bildhauer

Neben den Architekten nahmen die Bildhauer im Künstlerhaus von Anfang an eine Sonderstellung ein, gehörten sie doch zu jenen Künstlern, die im Regelfall nicht einen freien Markt belieferten, sondern Aufträge erfüllten. Bis zum 1. Weltkrieg florierten deren Geschäfte so gut, dass die Mitglieder des „Clubs der Plastiker“ großzügig sein konnten: Sie stifteten Preisgelder, um Werke für das Künstlerhaus ankaufen zu können, sie produzierten Medaillen und Plaketten, die verliehen werden konnten, und sie waren auch ökonomisch innovativ: 1895 führten sie den Erlagschein als Zahlungsmittel ein, um Personalkosten zu sparen. Und von 1907 bis 1938 bestand die „Wiener Gesellschaft von Freunden der Kleinplastik“, die das Sammeln von Kleinplastiken erfolgreich in der Wiener Gesellschaft etablieren konnte.

Erhalten geblieben sind vor allem Bildnisse von Persönlichkeiten, die für das Künstlerhaus von Bedeutung waren, wie der Vereinspräsident Friedrich August von Stache, der 1838 die erste Einkaufspassage Wiens und 1858 den Stadterweiterungsplan entworfen hat.

Die Urheber dieser Werke gehörten zu den Stars ihrer Zeit, die von ihnen geschaffenen Denkmäler im öffentlichen Raum erregten Aufsehen. 1875 wurde zum Beispiel Anton Paul Wagner als Delegierter des Künstlerhauses zur Michelangelo-Feier nach Florenz entsandt, wo er auch die Michelangelostatue an der Fassade schuf.
Eine Ausnahmeerscheinung blieb Theodor Charlemont, der, vom Künstlerhaus finanziell unterstützt, 1938 verarmt starb. 

Nachdem schon in den 1960er bis 1980er Jahren umfangreiche Bestände unauffällig in den Kunsthandel gelangt waren, trennt sich das Künstlerhaus nun - erstmals öffentlich - von allen Werken, um sie jener Bestimmung zuzuführen, für welche die Künstler sie ihrem Verein überlassen hatten: zur finanziellen Absicherung der Vereinstätigkeit beizutragen; ab 2020 in einem nach 150 Jahren dank privaten Engagements erstmals generalsanierten Gebäude.

Dr. Peter Zawrel, Generalsekretär des Künstlerhauses
 
Werkliste:

Joseph Edgar Boehm, Büstes des Malers Robert Müller (1874), Lot 0464

Franz Xaver Pönninger, Büste des Architekten Friedrich August von Stache (1860), Lot 0465

Anton Paul Wagner, Michel Angelo Buonarotti (1873), Lot 0471

Theodor Charlemont, Zeichner (1901), Lot 0472

Victor Tilgner, Jägerdenkmal "Deutschmeister" (o.A.), Lot 0473

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