12.2. - 5.6.2022
Ausstellung, Obergeschoß

Whiteness as Property

Rassismus und Eigentumsverhältnisse

Kuratiert von Ana Hoffner ex-Prvulovic*
Nach Cheryl Harris

In ihrem 1992 veröffentlichten Text „Whiteness as Property“ schreibt die Juristin Cheryl Harris über die Formation von Besitzverhältnissen entlang rassistischer Kategorien. Rassismus hat nicht nur Schwarze zur Enteignung gezwungen, sondern auch Besitz selbst als ein Recht definiert, dass nur Weißen zugänglich ist. Was Harris für den Kontext der USA thematisiert hat eine Vorgeschichte in älteren Konzeptionen des liberalen Subjekts. Als Eigentümer seiner Selbst ist das liberale Subjekt nicht nur an der Herstellung von race beteiligt, sondern auch maßgeblich von einem Drang nach Besitzergreifen geprägt. Vor dem Hintergrund des sogenannten ‚Besitzindividualismus‘ ist auch das heutige, liberale und rassistische, Verhältnis zu Objekten und der Prozess der Verdinglichung, zu denken. Denn das Herstellen von Objekten kann nicht von rassisierten Eigentumsfragen entkoppelt werden – Dinge werden erst durch die Möglichkeit ihrer kapitalistischen Aneignung und ihrer Zirkulation als Waren zu dem was sie sind.

Das Ausstellungsprojekt WHITENESS AS PROPERTY unternimmt den Versuch Besitzverhältnisse, die von Rassismus durchzogen sind, durch ihre ästhetische Dimension zu hinterfragen. Es zeigt künstlerische Strategien als maßgebliche Instrumente in der Auseinandersetzung mit Besitzindividualismus und untersucht, ob das Kunstfeld als Quelle alternativer Modelle eines besitzergreifenden Subjekt/Objekt Verhältnisses dienen kann, das dabei gleichzeitig rassismuskritisch wirkt. Der Fokus der Ausstellung liegt auf kritischen ästhetischen Praktiken, die in Bezug zu Eigentumsverhältnissen, Dingen und Materialien entwickelt werden und die Selbstverständlichkeit des historischen und gegenwärtigen Eigentums von Subjekten und Objekten als immer schon rassisierte in Frage stellen. Künstlerische Praxis wirkt einerseits forschend indem sie rassisierte Besitzverhältnisse untersucht, andererseits werden hier implizit Techniken entwickelt, die zeigen wie Subjekte ihre Souveränität in der Bearbeitung von Objekten verlieren, ein Eigenleben erlangen und sich nicht in Dinge transformieren lassen. Entscheidend für diese Praktiken ist, dass sie die affektive Wirkung von Besitz in den Blick nehmen, ohne Besitzlosigkeit zu romantisieren. Vielmehr wirkt künstlerische Praxis als Experimentierfeld in dem der vielschichtige Charakter von Besitz erst sichtbar wird: wir sind oft unvermeidbar im Besitz unserer Selbst und gleichzeitig besitzergreifend anderen gegenüber. Lässt sich eine ethische Dimension von Eigentumsverhältnissen formulieren, eine, die uns erlaubt eine Form von Subjektivierung zu definieren, die nicht auf dem Recht zu besitzen (also auf der normativen Wirkung von Besitz) basiert, sondern die Wahrnehmung für Kollektivität und Beziehungsgeflechte als Grundlage von Eigentum, schärft und damit auch aktiv Rassismus bekämpft?

Die Art Research Conference zur Ausstellung WHITENESS AS PROPERTY widmet sich dem spezifischen Wissen der Künstler*innen, die an der Ausstellung teilnehmen. Als Symposium der künstlerischen Forschung gibt die Veranstaltung die Möglichkeit einer vertiefenden Auseindersetzung mit Besitzindividualismus und rassisierte Eigentumsverhältnissen aus Sicht der ästhetischen Produktion. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen werden Künstler*innen ihre Praktiken präsentieren und mit einer breiten Öffentlichkeit diskutieren.

Künstler*innen:
Angela Anderson, Peggy Buth, Tania Candiani, Danica Dakic, Anna Daucikova, Robert Gabris, Fokus Grupa, Laure Hiendl, Hristina Ivanoska, Karrabing Film Collective, Jakob Krameritsch, Lungiswa Gqunta, Stephanie Misa, Elaine Mitchener, Elisabeth Povinelli, Ines Schaber, Widows of Marikana

 

 

Abonnieren Sie
unseren Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie über neue Ausstellungen und Veranstaltungen, sowie über Führungen und weitere Aktivitäten des Künstlerhauses. Ihre Daten werden von uns vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Durch Ausfüllen und Abschicken dieses Formulars bestätigen Sie, dass sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen haben und sich mit diesen einverstanden erklären.

Diese Einwilligung können Sie jederzeit widerrufen und den Newsletter abbestellen.

Wählen Sie den Newsletter der zu Ihnen passt: